Wenn ein Wanderweg als schönster Deutschlands nominiert wurde, sind die Erwartungen an diesen naturgemäß hoch. So auch beim Karras-Rundweg, der 2025 für diesen Titel kandidierte, jedoch knapp dem Caspar-David-Friedrich-Weg unterlag. Francisca Sauer vom Wanderverein Burgstädt stellte ihn am 01.08.2026 im Rahmen ihrer Prüfungswanderung zur Erlangung einer Trainer C-Lizenz vor. Seit Beginn des Jahres gehört sie dem Präsidium des Sächsischen Wander- und Bergsportverbandes an und kümmert sich dort um das Thema Jugend und Familie. Neben Vereinsmitgliedern waren auch weitere Mitglieder des Präsidiums des SWBV unter den Teilnehmern. Selbstverständlich war die Verbandslehrwartin, Dr. Kerstin Kleefisch, mit von der Partie. Auch die Schatzmeisterin, Angelika Tauscher, und der Verbandswart Wandern, André Kaiser, ließen sich die Veranstaltung nicht entgehen und prüften die Kenntnisse und Fertigkeiten der Kandidatin kritisch. Ich durfte die Tour als Mentor begleiten.
Am Start im Spitzgrund Markierung Karras-Rundweg
Benannt ist der knapp 18 km lange Rundweg durch Teile des Friedewalds nach einem einst in der Region zwischen Meißen und Dresden ansässigen Adelsgeschlecht. Die Anreise erfolgte mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Am Start, im Spitzgrund, erfolgte die offizielle Begrüßung und eine erste Einführung in die Tour. Unterwegs gab es an verschiedenen Stellen die Gelegenheit, einen QR-Code zu scannen und so die Absolvierung der kompletten Strecke nachzuweisen und eine Urkunde zu erlangen.
Am Kapellenteich Unterwegs im Friedewald
Das Wetter gestaltete sich den kompletten Tag sehr abwechslungsreich, mit eher negativer Tendenz. Der Wanderleiterin gelang es mit ihrer fröhlichen Art, die Stimmung unter den Teilnehmern hochzuhalten und dem Informationsbedürfnis mit wohldosierten und unterhaltsamen Beiträgen gerecht zu werden. Unterwegs besuchten wir den Kapellen- und den Ilschenteich und hatten Gelegenheit, einen Blick in den Hohburg-Tunnel zu werfen.
Hohburg-Tunnel In Moritzburg
Dann erwartete uns das absolute Highlight der Wanderung, Schloss Moritzburg. Wir umrundeten den halben Schlossteich und hatten bei der Mittagspause die Chance, uns das eine oder andere Detail näher anzusehen. An der Zufahrt zum Schloss stehen aus Symmetriegründen zwei Distanzsäulen. Zufällig hatten wir den Vorsitzenden der Forschungsgruppe Kursächsische Postmeilensäulen e.V. unter uns, der uns mit Zusatzinformationen versorgte. Anders als andere Distanzsäulen, die sich zumeist in kommunaler Trägerschaft befinden, gehören diese beiden dem Freistaat. Neben der Entfernung zu bedeutenden Städten Kursachsens, nach Zeitz waren es z. B. 28 Stunden 7/8 (d.h. ca. 130 km), kann man diesen auch die Distanz zu anderen sächsischen Jagdschlössern entnehmen.
Schloss Moritzburg Kursächsische Distanzsäule
Der Rückweg führte über den Aussichtspunkt Pferd und den Seerosenteich, einen ehemaligen Steinbruch, zum Hohen Stein. Von der phantastischen Aussicht nach Meißen konnten wir uns wetterbedingt an diesem Tag leider nicht persönlich überzeugen.
Seerosenteich Auf dem Hohen Stein
Am Ende der Wanderung kamen die Teilnehmer übereinstimmend zu folgendem Fazit: Der Karras-Rundweg zeichnet sich durch eine wunderbare Landschaft und kulturhistorische Höhepunkte aus, ist hervorragend markiert und kann jedem Wanderer nur wärmstens empfohlen werden. Im gleichen Jahr zwei sächsische Wanderwege in der selben Kategorie ins Rennen um den Titel "Deutschlands schönster Wanderweg" zu schicken, war keine besonders glückliche Entscheidung.
Francisca Sauer hat ihre Tour perfekt vorbereitet und durchgeführt. Die Teilnehmer fühlten sich bestens betreut und haben viel Neues kennengelernt. Vielen Dank dafür. Zu Recht erhielt sie zum Abschluss einen Wanderleiterinnenausweis und -stempel. Wir freuen uns schon auf ihre nächsten Wanderungen. Wer sich an diesem Tag für langes Ausschlafen entschieden hat, hat definitiv die falsche Wahl getroffen.
Vielen Dank auch an Nadine Reinhard aus Coswig, die kurzfristig als Schlussläuferin einsprang. Beiden wünsche ich einen erfolgreichen Lehrgangsabschluss.
Felix Pechmann
